Subprojekt 5 Gesundheitssystem und Ungleichheiten in der gesundheitlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen

Ein wichtiges Kriterium zur Bestimmung der Leistungsfähigkeit eines Gesundheitssystems ist laut WHO, inwieweit der Bevölkerung Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung unabhängig von der Zahlungsfähigkeit des einzelnen Versicherten gewährleistet wird. Als wichtiges Maß zur Quantifizierung des realisierten Zugangs zum Gesundheitssystem wird oft die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen herangezogen. Bereits im Kindes-/Jugendalter zeigen sich jedoch soziale Unterschiede in der Inanspruchnahme bei vergleichbarem Gesundheitszustand. Während der Einfluss von Charakteristika des Gesundheitssystems auf nationaler (Makro-) Ebene auf die Inanspruchnahme oft untersucht wurde, sind Faktoren auf der Meso-Ebene bisher kaum beachtet worden.

Wir identifizieren Strukturen und Prozesse auf der Meso-Ebene, die zu sozioökonomisch bedingten Ungleichheiten in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bei Kindern und Jugendlichen führen können: Dies sind erstens die (regionalen) Strukturen, die den Zugang zu Gesundheitsleistungen beeinflussen, des Weiteren die Versorgungsprozesse die in der Interaktion zwischen Arzt und Patient oder Eltern des Patienten initiiert und durchgeführt werden, sowie zuletzt gesundheitspolitische Maßnahmen, die direkt darauf abzielen, die Interaktion zwischen dem Individuum und dem Gesundheitssystem zu beeinflussen.

Somit ergeben sich folgende Forschungsfragen, die SP5 zu beantworten sucht:

  1. Tragen individuelle Faktoren zu sozioökonomisch Ungleichheiten in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bei Kindern und Jugendlichen bei und welche materiellen, psychosozialen und verhaltensbedingte Faktoren weisen den höchsten Beitrag zu diesen Ungleichheiten auf?
  2. Inwiefern beeinflussen soziodemographische und sozioökonomische Faktoren die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bei Kindern/Jugendlichen?
  3. Welche Charakteristika, die auf der Meso-Ebene des Gesundheitssystems den Zugang zu Gesundheitsleistungen bestimmen, können einkommensbedingte Ungleichheiten in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bei Kindern/Jugendlichen erklären?
  4. Gibt es signifikante Unterschiede hinsichtlich des Ausmaßes und der Qualität bzw. Kontinuität der Versorgung von chronisch kranken Kindern/Jugendlichen unterschiedlichen sozioökonomischen Status?
  5. Geht die Einführung von gesundheitspolitischen Programmen, wie das verbindliche Einladungswesen zu Früherkennungsuntersuchungen, mit Änderungen in der (ungleichen) Inanspruchnahme einher?

Aufbauend auf einem Scoping-Review zum aktuellen Forschungsstand werden Daten der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) und Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung unter Verwendung unterschiedlicher Methoden analysiert. Diese schließen Regressionsmodelle (Frage 1, 2), Dekompositionsanalysen (Frage 3), die Identifikation und Analyse von Behandlungsmustern, -abläufen, -und pfaden (Frage 4) und quasi-experimentelle Methoden (Frage 5) mit ein.


Fachbereich Health Services Management, Fakultät für Betriebswirtschaft, Ludwig-Maximilian-Universität München

  • Leonie Sundmacher, Prof. Dr.
  • Tobias Steinherr, M.Sc.
  • Anna Novelli, M.A Dott.ssa Mag.